Ungleichheit ist ein Kernthema für die Menschheit – so wie der Klimaschutz


Oxfam hat diese Woche wieder eine Studie zur Ungleichheit der Vermögensverhältnisse auf der Welt veröffentlicht. So wie jedes Jahr, wenn sich Politiker und Wirtschaftsführer in Davos treffen. Dabei wird ein Trend verdeutlicht, der schon seit vielen Jahren thematisiert wird. Die Ergebnisse sehen so aus:

  • In den zehn Jahren seit der Finanzkrise hat sich die Zahl der Milliardär*innen weltweit nahezu verdoppelt und ihre Vermögen stiegen im Durchschnitt mit 11 Prozent im Jahr. Der Anteil der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung am globalen Vermögen ist dagegen fast kontinuierlich zurückgegangen, von 0,76 Prozent im Jahr 2008 auf 0,43 Prozent im Jahr 2018.
  • Dramatisch zurückgegangen ist zuletzt auch das Tempo, in dem extreme Armut reduziert wurde: Es hat sich seit 2013 halbiert. In Afrika südlich der Sahara steigt die extreme Armut sogar wieder an.

Es gibt auch immer wieder Kritik an der Datenauswertung von Oxfam und diese Kritik muss auch ernst genommen werden. Das ändert aber nichts an der Grundtendenz. Was auf diesem Blog und auf meinem Forschungsblog immer wieder betont wird ist, dass die Digitalisierung diesen Trend noch wesentlich verschärfen wird (siehe hierzu einen Beitrag aus dem Zeit-Herdentrieb-Blog) .

Im Wesentlichen ist der Befund klar: “ Lock-In und Netzwerkeffekte schaffen Marktmacht und begünstigen die Monopolisierung digitaler Märkte“. Die Internetökonomie wird ohne staatliches Eingreifen eine Ökonomie der Monopolisierung sein und die Netzwerk- und Skaleneffekte werden zu einer noch dramatischeren Ungleichverteilung führen, denn die neuartigen Assets werden in den Händen Weniger bleiben und weitere Kaskadeneffekte auslösen. Dies zu beschwören, reicht natürlich nicht aus. Wir sind heute in der Lage, Erkenntnisse zu generieren, die unsere Zukunft in erheblichem Maße prognostizierbar machen. Trends gegen diese Aufklärung (so die politischen populistischen Bewegungen) werden dabei als Schatten- und Ablenkungskämpfe inszeniert. Viele Rezepte gegen die wachsende Ungleichheit sind nur schwer umsetzbar: keiner in Davos wird sich wirklich für mehr Umverteilung, staatliche Regulierung und Steuererhöhungen einsetzen. Aber klar ist auch, dass eine vollständig unregulierte Digitalisierung ins Elend führen wird (Leontief sprach ja schon von der Möglichkeit „des Verhungerns im Paradies“.).

Natürlich könnte man die Idee einer Robotersteuer (vielleicht doch besser einer Vermögenssteuer) mal wieder in Augenschein nehmen oder die Idee der Mitarbeiterbeteiligung verfolgen: Beteiligungen der Mitarbeiter und des Staates in Fondslösungen (siehe das Beispiel Schweden für die Altersvorsorge) abbilden, damit viele die Früchte der Digitalisierung ernten können. Wie auf meinem Forschungsblog thematisiert wird, könnten ergänzend Blockchain-Lösungen (Crowdinvesting u.ä.) beim Vermögensaufbau hilfreich sein. Zudem könnten umfrangreiche Ausbildungsprogramme initialisiert werden.

Eines wird schnell klar werden: Nichtstun wird die Grundlagen des Wohlstandes für Viele in den demokratischen Ländern erodieren lassen.


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